Picture by Nadine de Macedo
Kunst

Karomuster zeichnen leicht gemacht

Auf Instagram hat mich jemand gefragt, wie ich das karierte Hemd vom jungen Mann auf dem Cover zu “Back In Town” gezeichnet habe. Da das Speedpainting noch in Arbeit ist, skizziere ich die Idee in diesem Blogpost. Erfahrt, was Karohemden mit Rockmusik zu tun haben und warum das Zeichnen von Karomustern nicht so leicht ist, wie man denkt.

Was haben Karohemden mit Rockmusik zu tun?

Eine Menge. Es gibt dutzende Varianten von Karomustern. Am Karomuster kann man auch erkennen, woher die Band stammt und welche Musik sie macht. Das klassische Tartan (Schottenkaro) ist ein Merkmal der britischen Punkszene, während sich in der eher amerikanisch-kanadischen Emocore und Metalcore Szene schwarz-weißes oder schwarz-rotes Fliesenkaro durchgesetzt hat. Die schwarz-weißen Fliesen sind nicht vom Ska Punk wegzudenken. Dagegen waren Holzfällerhemden in der 90er Grunge Szene sehr beliebt und werden heute noch von vereinzelten Post Grunge Bands getragen.

Da sich The Verge als Alternative Rock Band bezeichnet, die ihre Wurzeln sowohl im Grunge wie auch im Punk hat, trägt der junge Mann auf dem Cover zu Back In Town ein kariertes Hemd. Obwohl es sich bei Back In Town um einen Skate Punk Rock Song handelt, habe ich mich für ein Grunge Outfit entschieden. Grund dafür ist die graugrüne Farbe unseres Logos, das sich perfekt als Basisfarbe eines Karohemdes eignet. Übrigens beziehen sich die Coverillustrationen der The Verge Singles unmittelbar auf den Text, sodass es auch kein Zufall ist, wieso Blitze im Hintergrund zu sehen sind.

Analyse eines Karomusters

Wie zeichnet man ein Karomuster? Ich habe viele Skizzen gebraucht, um das Karomuster eines Flanellhemds zu zeichnen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass es zwei ineinander geschachtelte Muster sind. Einmal hat man die groben farblich unterlegten Karos und dann die kleineren, die sich innerhalb des Großen befinden. Um dieses Muster zu rekonstruieren, benötigt jede Farbe und jede Strichstärke eine eigene Ebene.

Aus der Ferne betrachtet, besteht ein Karomuster aus verschiedenen Strichstärken. Um es genauer zu beurteilen, habe ich mir ein Flanell-Karohemd aus dem Kleiderschrank genommen und genauer hingesehen. Die dickeren Striche entstehen durch mehrere quer gestrichelte graue oder schwarze Linien und nicht durch einen dickeren Faden. Dafür habe ich einen Schraffurpinsel benutzt, der aus mehreren parallelen Strichen besteht. Man sollte die Richtung und Dichte manuell anpassen, damit mehrere Schraffuren nebeneinander gesetzt werden können. Mit diesem Pinsel habe ich grobe Karomuster gezeichnet, wobei ich hier auf die Krümmung der Oberflächen geachtet habe. Mir hilft es sehr, sich ein Gitter vorzustellen, wie man es z.B. von 3D Graphiken (Meshes) kennt.

Karohemd zeichnen Tutorial - grobe Karos
Karohemd zeichnen Tutorial – grobe Karos

Karohemden sind klein- und großkariert

Im zweiten Schritt zeichne ich feinere Einteilungen dieser Karos. Ich halbiere das Muster quer und längs mit zwei unterschiedlichen Farben. Das bringt etwas mehr Dynamik ins Spiel. Schwarz, grau, dunkelblau, dunkelgrün, dunkelrot oder braun sind perfekte Farben für diese Linien. Da das karierte Hemd für das Cover grün werden sollte, habe ich schwarze und blaue Karos gewählt.

Karohemd zeichnen Tutorial - feine Karos
Karohemd zeichnen Tutorial – feine Karos

Nun sind alle notwendigen Linien des Karomusters fertig gezeichnet worden. Damit diese nicht verschwinden und verwischen, werden alle Ebenen in den Multiplikationsmodus geschaltet und oberhalb der Füllebene angeordnet. Probiert unbedingt aus, in welcher Reihenfolge die farbigen Striche schöner harmonieren. Die Deckkraft der Ebenen sollte hoch, aber nicht 100% sein.

Multiplikationsmodus für den Karo-Effekt nutzen

Wenn man so viele Linien sieht, weiß man nicht mehr, welche Farbe wohin kommt. Eigentlich ist es ganz einfach: Orientiert euch beim Ausmalen der Karos an den dicken quer gestrichelten Linien und entscheidet euch für eine Richtung. Für den Anfang benötigt ihr zwei Farben, die gut miteinander harmonieren. Hier nutze ich oliv und beige fülle die groben Karos in Querstreifen aus.

Karohemd zeichnen Tutorial - Basisfarben als Streifen
Karohemd zeichnen Tutorial – Basisfarben als Streifen

Zeichne das Karomuster so regelmäßig und plausibel wie möglich. Wie viele Karos fallen weg, wenn die Ärmel hochgekrempelt sind? Wichtig ist auch, dass das Muster bei geschlossenen Knöpfen nicht unterbrochen wird und dass die Innenseite mit der Außenseite übereinstimmt. Bei Bedarf können auch vereinzelte Schatten gesetzt werden, wobei diese unbedingt im Farbfeld bleiben müssen.

Legt eine halb deckende Multiplikationsebene oberhalb der Querstreifen an und schaltet die Querstreifen aus. Damit das gezeichnete Karomuster besser zur Geltung kommt, malt ihr nur jede zweite Spalte aus. Nehmt eine Farbe mittlerer Helligkeit und Sättigung, die gut zu den anderen Farben passt. In meinem Fall ist es das Graugrün unseres Logos.

Karohemd zeichnen Tutorial - Multiplikationsebene Kontrastfarbe
Karohemd zeichnen Tutorial – Multiplikationsebene Kontrastfarbe

Das Karomuster entsteht auf magische Weise, wenn die Ebene der Querstreifen angeschaltet werde. Durch die Multiplikation erhaltet ihr zusätzliche Mischfarben. Spielt mit der Deckkraft herum, bis das Karomuster schön aussieht.

Karohemd zeichnen Tutorial - Multiplikationsebene auf Streifen angewandt
Karohemd zeichnen Tutorial – Multiplikationsebene auf Streifen angewandt

So sieht das fertige Bild aus. Ich hoffe, dass ihr mit diesem kleinen Tutorial verstanden habt, wie man Karomuster zeichnen kann, die ihr zum Beispiel für karierte Hemden nutzen könnt. Diese Vorgehensweise spart viel Zeit, da man nicht jedes einzelne Karo zeichnet, sondern sich lediglich auf Streifen konzentrieren muss.

Dies ist nur eine Möglichkeit, ein Karomuster auf einem karierten Flanellhemd zu zeichnen. Es gibt aberdutzende Karomuster. Wenn man klassisches Tartan zeichen möchte, sollte man jedes große Feld in drei Bereiche unterteilen, die wiederum aus drei Bereichen bestehen und gut darüber nachdenken, welche Bereiche ausgelassen werden. Ich möchte damit sagen, dass man sich mit jedem Muster individuell beschäftigen muss. Durch dieses Tutorial lernt ihr bloß, das Muster auf einer anderen Abstraktion wahrzunehmen, also Linien und Farben zu trennen. Der Trick mit der Multiplikationsebene funktioniert nach wie vor.

Warum man zum Zeichnen von Karomustern keine Rasterfolien nutzen sollte

Zum Ende ein kleiner Warnhinweis. Wer gerne Manga und Graphic Novel liest, dürfte die ein oder andere Mangaka erwischt haben, wie er*sie Karomuster aus der Retorte nutzt. Rasterfolien sind transparente Klebefolien, mit denen sich im Nu Muster aufbringen lassen. Sie sind optimale Werkzeuge, wenn es um Wandtapeten und Hintergründe geht, wirken auf Kleidung jedoch sehr unnatürlich. Das liegt daran, dass die Muster für ebene Oberflächen konzipiert wurden und Kleidung einer recht komplexen Struktur und Form folgt. Gerade, wenn es um regelmäßige Muster wie Streifen und Karos geht, sollte man sie lieber selbst zeichnen statt zu Rasterfolien zu greifen.

Wie malt ihr Karomuster?

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